Datum: Sun 6, Jul 2003 14:22
Betreff: Harakiri

Verehrtes Volk,

Euer Erzähler wagt sich an eine Vorbesprechung eines Konzertes, ohne dieses bereits gesehen zu haben:

Die Japaner Bomb Factory und Fulltrap ließen keinen Zweifel daran, den Saal kochen zu lassen, wie die Wilden headbangte das zumeist männliche Publikum zu den unchristlichen Weisen der perfekt spielenden fernöstlichen Musikusse.
Während zunächst Melodic-Punk-Einflüsse dominierten, kam hinterher ein Hardcore-Metal-Brett, das sich gewaschen hatte.

Fuck, bis dahin hatte ich den Bericht schon vorbereitet und Fuck, die Geschichte muss witzigerweise nur um einige Details erweitert werden.

Der Pearl Harbour Schock war leider schwer diskutabel, hatten die Jungs von der Insel mit den weltweit erstbesten Erfahrungen hinsichtlich der A-Bombe doch mehr deutsche (aus dem Reich der Fäkalausdrücke) als englische Vokabeln am Start. Nur durch die Tourbegleiterin Wencke (den Witz darüber spar ich mir), die ob ihrer Wohn- und Ehe-Situation in Tokyo perfekt japanisch spricht, war überhaupt Kommunikation möglich.
Die Buben katalysierten ihre Ohnmacht bezüglich der englischen Sprache durch vermehrtes Brüllen von O.K. und patchworkartigen Songtexten, gemäß der ebensolch gestrickten Musik. Atari-Metal, Plastik-Punk, der gefällt, einfach gut kopiert von etlichen hauptsächlich amerikanischen Bands.
Lustig wars in jedem Fall und das musikalische Spektrum des kunstkellers wurde erweitert.
Am beeindruckendsten fand ich die Unterschrift einer der Japaner auf unserm GEMA-Meldebogen: Hat der flinke Musikant doch mit diesen Krixelkraxel-Zeichen unterschrieben, die wie Taubenfüßchen im Schnee aussehen, und das war sein Name!

Am kommenden Dienstag , den 8. Juli 2003 empfehlen wir erneut internationale Gäste im kunstkeller:
The Cassettes aus Washington DC/USA mit schrägem Pop und Country
Disco Drive aus Italien mit High-Energy Post-Punk

Euer Narr

Sizilianisches Sprichwort:
Wer viereckig geboren wird, wird nicht rund sterben.


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