Datum: Fri 21, Mar 2003 12:12
Betreff: Learning by Numbers

Lektion 1: Ska

Alzo, Ska, ne, dat is sone kleingehackte Version von Reggae. Two Tone. Gaaanz tanzbar.
Hat u.a. son dahergelaufener Jamaikaner Desmond, oder wie der heißt Decker und sein Kumpel Laurel Aitken recht berühmt gemacht. Inne 60er schon. Halt auf die Dörfer da.
Aber in die Vollen, ne, dat ging erst inne Spätsiebziger, wo die Briten sowieso kunterbunt alles zusammenmatschten, im Zuge der Punk-Bewegung, gabs da u.a. nen Ska-Revival, Madness, Specials, Selecter, Bad Manners hießen damals die ganz Großen der Bewegung, später gabs hunderte von Nachäffern und Kreuzdrüber-Ska-Bands.
Heutzutage ist leider das Gros der Ska-Bands feuchtfröhliche Unterhaltung ohne kritische Züge.
Anders Semtex und Superskank.
Crossover war in jedem Fall dabei, bei Semtex massenweise, Superskank taten sich mit Punkrock-Einflüssen hervor.
Die putzig aussehenden bayrischen Hinterwäldler Semtex zogen richtig vom Leder, man hat offenbar auch Fernsehen und Internet im Wald (bayrischen). Und textete in englisch.
Superskank warfen gleich 2 Doubles auf die Bühne, Klausi Beimer (Lindenstraße) und irgendeinen von Fanta 4, dazu schönstes Eigen-Liedgut (verständliches Deutsch).
Die 7 Skanker spielten ihr Set fast 2mal, so begeistert warn die Leute.

Lektion 2: Emo-Core

Ist der Nachfolger von Crossover im Punkbereich. Wütende Passagen wechseln sich ab mit eindringlichen persönlichen Gefühlen. Ist grade voll im Trend. Jaja.
The Genetics wüteten ordentlich umher, trotz allerlei langer Stücke kam die Stimmung rüber, die Abwechslung bzw. die in den Stücken anwachsende Spannung hielt die Leute gut im Bann.
Der Set von Sky Promises Rain war hingegen nachvollziehbarer.
Überraschungen gabs nach den ersten 3 Stücken keine mehr, dennoch oder vielleicht auch deswegen rockte die Band unser liebliches Publikum bis zum Abwinken.
Kurz vor 1 hatten denn auch die nun gemeinsam jammernden Musikanten den Kragen voll und wir kehrten demütig Euren Dreck weg. Feierabend.

Lektion 3: Yobbo Yore und Jaboon

War ich leider selber auf ner Konkurrenzveranstaltung, soll den Leuten aber gut gefallen haben.
Heike hat wohl mittlerweile eine recht charismatische Ausstrahlung.
Und es ist nicht alles Punk, was rockt.

Lektion 4: Punkrock und moralischer Anspruch

Jumpin Juice mit AkkordeonPunk
Plush Punk/Metal/Pop
Special Gue$t Punkrock
Man kann auch geile Musik und trotzdem, ohne die dicke Kohle zu machen, sich einen Abend lang hinstellen, damit ein paar Kinder in der 3. Welt was zum Futtern haben.
Löblicher Ansatz in einer Zeit, wo Unverstandenes lieber totgemacht wird.
Na gut, es gab ja auch mal den Spruch "Destroy, what you don´t understand", den ich immer recht witzig fand, aber scheinbar ändert sich der Mensch durch Altern.
Den einen fallen die Haare aus, den anderen wächsts bis zum Arsch runter.
Die Bands aus allen möglichen umscharenden mittelgroßen Städten rockten jedenfalls, daß es eine Freude war. Eurem parteiisch erscheinendem Erzähler stand wie fast schon üblich bei der ersten Band (Special Gue$t) der männlichste Teil seiner Physiognomie am deutlichsten.

Lektion 5: Der Kunstkeller ist kein übelriechender Underground-Schuppen

So gesehen bei der Veranstaltung von Harzers Bazaar mit angenehmen Jazz. Da seit Ihr platt, gelle?
Ein recht gut gefüllter Laden vergnügte sich anhand der gebotenen, handwerklich perfekten Musike.
Spaß mit Jazz. Gibst auch.

Lektion 6: Selbst das am längsten ausgemachte Konzert (Welttraumfahrer) kann abgesagt werden, weil der Macher plötzlich der Arbeitslosigkeit eine Absage erteilt.

Wir buchen die aber sicher für Mai oder Juni, die sind zu geil, um sie zu übergehen. Stay tuned.
In solchen Fällen halten wir aber nicht einfach den Laden dicht, sondern bieten zumindest die Möglichkeit, sich bei Musik vom Band oder DJ noch einigermaßen des Abends zu erfreuen.
Diesmal am Start warn Oli und Alex, eine runde Mischung und überhaupt, kuckt Euch Euren Keller an, wir machen das nicht nur zur persönlichen Selbstbefriedigung.
(Du warst so gut, Baby, warst Du heut im Keller?)

Euer Errator (lat.: Erzähler) (Anm. d. S.: "Errator" hätte ich mit "Der Irrende" oder auch "Der Irre" übersetzt...)

P.S.:
"Es heißt Arbeitszeit verschwenden und die Literatur geschmacklos missbrauchen, wenn man seine Gedanken niederschreibt, ohne die Fähigkeit zu besitzen, sie zu ordnen und zu erklären oder die Leser durch einen angenehmen Stil zu erfreuen."
Cicero


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